Ansprache zur Einweihung am 24.1.96 von Marcus GrünewaldWas macht eigentlich unsere Studentengemeinde aus, was kennzeichnet sie, so haben wir uns zu Beginn unserer Vorbereitungen für die Einweihung und diesen Gottesdienst gefragt.
„Ich habe hier, als ich neu und fremd in Bingen angekommen bin, ein Stück Heimat gefunden“ - diese spontane Aussage eines Studenten sagt sicher nicht alles, aber doch entscheidendes über das, was wir in unserer Gemeinde verwirklichen wollen: Heimat als Studentin und Student in Bingen; eine Heimat in die die allermeisten der ehemaligen Studentinnen und Studenten - viele sind heute hier - immer wieder gerne zurückkommen. Heimat bei Gott und bei anderen Menschen - man könnte es als Leitwort für alles das, was wir miteinander tun und leben bezeichnen. Eine mehr innere Heimat, die jetzt auch eine neue, schönere äußere Heimat in unseren neuen Räumen bekommen hat. Dieser Tonkrug soll ein äußeres Zeichen für diese neuen Räume, für diese neue Heimat sein.Wir sind dankbar und glücklich, heute mit Ihnen/Euch allen Einweihung feiern zu dürfen.
Wie aber können wir die innere Heimat bei Gott und den Menschen, die uns noch wichtiger ist, in einem Zeichen, einem Bild oder einem Symbol ausdrücken? Es war ein langes, intensives und fruchtbares Suchen; ein Symbol aber hat alle anderen verblassen lassen: Wir alle, jede und jeder von uns, ist wie ein Wassertropfen. Wir bringen uns selbst, unseren Wassertropfen ein in das Leben und das Glauben dieser Gemeinde. Wenn wir dies tun, dann vermischen wir uns miteinander, wir geben von unserem Wasser und bekommen vom Wasser der anderen. In Gebet und Gottesdienst, ja, in allem, was wir miteinander tun, vermischen wir uns mit Jesus, der für uns - wie wir im Evangelium hören werden - lebendiges Wasser ist. Dies alles soll aber nicht nur bei uns, in unserem Krug abgeschottet und isoliert stattfinden; immer stärker spürten wir in den letzten Semestern den Wunsch, aber auch die Notwendigkeit, überzufließen, andere, die umliegenden Gemeinden, an unserem Leben teilhaben zu lassen - unsere monatlichen Gottesdienste am Sonntagabend sind ein erstes, überaus fruchtbares Ergebnis.
Die Heimat in der Studentengemeinde aber, dessen müssen wir uns - immer wieder auch schmerzlich - bewußt sein, ist zeitlich begrenzt. Alle, die uns verlassen, nehmen ihren Wassertropfen auch wieder mit. Es ist ihr eigener Tropfen, den sie für einige Zeit in unseren Krug eingebracht haben und doch ist es nicht mehr derselbe: indem sie sich eingebracht haben in unsere Gemeinschaft und sie geprägt haben, bleibt etwas davon im Krug zurück; das, was sie mitnehmen, hat sich vermischt mit denen anderen und mit dem lebendigen Wasser Jesu. Immer aber, wenn uns unsere Ehemaligen besuchen - die meisten tun dies oft und regelmäßig - bringen sie sich, ihren Wassertropfen wieder mit in unsere Gemeinschaft ein. Auch dann ist es ihr Wassertropfen und doch nicht mehr derselbe - hat er sich doch vermischt mit den Lebens- und Glaubenserfahrungen in deren Familien, am Arbeitsplatz und den neuen Heimatgemeinden. Von neuem gemischt und erfrischt, gehen sie wieder, sie kommen wieder... unsere Gemeinde im Bild eines ständigen Wasserkreislaufes, eines nie versiegenden Fließens - vielleicht ist es genau dies, was mir so ganz besondere Freude an dieser meiner Arbeit bereitet.
Ich danke Frau Karen Ennulat, daß es ihr so hervorragend gelungen ist, dieses Erleben, diese Gedanken auf diesem „Fröhlichen Kreuz“ festzuhalten und ihnen bleibenden Ausdruck zu verleihen. zurück
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